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Von Urheberrechten, Debatten und warum es so nicht funktionieren kann

9. Juli 2012

Kaum etwas zeigt die Tatsache, dass es nicht zur Stärke der demokratischen Gesellschaft gehört, Entscheidungen zu finden, besser als die aktuelle Urheberrechtsdebatte. Die Diskussion ist, wie so viele andere Ihrer Gattung, vor allem von Extremen geprägt. Die einen wollen das Internet zu einem Hochsicherheitsgebiet umfunktionieren, jeder Klick eines jeden Nutzers muss überwacht werden. Die anderen glauben, dass nur absolute Freiheit von der Staatsgewalt im Internet funktionieren kann. Jede Art von Regulierung ist ein Werk des Teufels und gehört auf den Scheiterhaufen. Und die Künstler sollten sowieso zum Spaß arbeiten. Doch keiner scheint in diesem kollektiven Wahnsinn zu erkennen, dass es so nicht funktionieren kann.

Liebe Verlegerfirmen, Musiklabels, Plattenbosse. Auch wenn es im Sinne des Profits sicher wünschenswert wäre, kann man das Internet nicht kontrollieren. Auf politischer Ebene, im Rahmen des Arabischen Frühlings, hat sich das bereits eindrucksvoll gezeigt. Die Menschen lassen sich Restriktionen nicht gefallen, vor allem im World Wide Web. Kopierschutz vergrault mehr potenzielle Kunden als er einbringt. Man will mit den Stücken, die man kauft, tun können, was man will. Deshalb kauft man sie schließlich. Das illegale Angebot, das nicht von engstirnigen Verlegern mit unsinnigen Verbreitungseinschränkungen versehen wird, bietet da für Viele schlicht das attraktivere Angebot. Und das durchaus legitim.

Die Branche muss umdenken, die Sache offener angehen. Youtube bringt keinen Umsatzsturz, es ist eine Form des Marketings, sogar eine kostenfreie. Zeiten des Umbruchs bringen immer bestehende Systeme und Machtstrukturen zum schwanken, als Gewinner gehen allerdings die hervor, die flexibel sind. Und das ist nun mal nicht der große Plattenverlag der Angst vor der Zukunft hat.

Liebe Freidenker, Piraten, Systemhasser. Euer Standpunkt ist keineswegs der bessere. Völlige Anarchie kann nicht funktionieren, alles andere wäre tölpelhaftes Wunschdenken. Zugegeben, eine gratis Kulturflatrate klingt verlockend, würde aber für die Künstler und Produzenten zu wenig Anreiz bieten, ausreichend neues, brauchbares Material zu produzieren. Ein Wirtschaftskreislauf schafft Innovation, auch in der Kunst. Illegale Vertriebswege, die den Urheber nicht standesgemäß entlohnen, zerstören diesen Kreislauf. Es kann schon sein, dass die Verteilungsmechanismen der GEMA mafiös anmuten, doch daran lasst sich etwas ändern. Startet ernsthafte Petitionen, mit ernsthaften Forderungen. Nicht alles, was Staat und Plattenlabels da treiben ist schlecht, das meiste sogar gut. Reine Schlechtrederei ist auch nur eine Form von destruktiver Polemik, die uns ebenso wenig weiterbringt.

Die neuen Angebote à la Streaming-Flatrates wie Napster sind ein Schritt in die richtige Richtung, doch solange sich manche Vertreter der Branche diesen verschließen, weil man sich vor Einflusseinbußen fürchtet, wird das nicht funktionieren. Ebenso müssen Verbraucher einsehen, dass illegaler Konsum ethisch genauso wenig vertretbar ist wie die Gier der Plattenbarone. Und es führt ebenso zu einem kargeren Angebot, da weniger und qualitativ schlechter produziert werden würde. Wie bereits gesagt, Veränderungen bringen immer Selbstverständliches ins Wanken, als Sieger gehen jedoch die hervor, die sich anpassen können. Auf beiden Seiten.

Freier Fall aus 36.000 Metern Höhe

8. Juli 2012

Felix Baumgartner ist ein Extremsportler, im wahrsten Sinne des Wortes. Er versucht an die Grenzen des Möglichen zu gehen, Limits zu durchbrechen. Mit Red Bull hat er einen Sponsor gefunden der das unterstützt. Das verwundert nicht, schließlich ist ihr neuerster Streich – Red Bull Stratos – extrem medienwirksam. Doch das Projekt ist mehr als nur gute Werbung für einen beliebten Energy Drink. Das, was das Team um Baumgartner sich ausgedacht hat, ist der reine Wahnsinn.

Eine Zusammenfassung: Man versucht, den aktuellen Weltrekord im freien Fall, der vor 52 Jahren von U.S. Air Force Colonel Joe Kittinger aufgestellt wurde, zu übertreffen. Mit Hilfe eines 55 Stockwerk hohen Heliumluftballons fliegt Baumgartner auf eine Höhe von ca. 36.576 Metern über der Erdoberfläche, um anschließend wieder runterzuspringen. Quasi Skydiving Extreme. Laut Red Bull erreicht man während des Falls innerhalb von nur 30 Sekunden 1,125 km/h. Dabei wird unter anderem die Schallmauer durchbrochen. Eine minutiöse Dokumentation soll auch in der Forschung zu neuen Erkentnissen führen.

Werbung hin oder her, was Red Bull für diesen Sommer geplant hat ist eines der spannendsten Events der nahen Zukunft, und wir können alle etwas davon lernen. Felix Baumgartner leistet Pionierarbeit, und ich hoffe, dass einige Menschen sich davon inspirieren lassen. Es ist notwendig, an die Grenzen zu gehen um Limits des menschlichen Daseins zu durchbrechen. Nur wer groß denkt, schafft Fortschritt.

Ein lesenswertes Standard-Interview mit Felix Baumgartner vom 06.07.2012 findet sich hier.

8. Juli 2012

„Und wenn ich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.“

Martin Luther, 1483-1546, deutscher Revolutionär

Quo vadis, Microsoft?

7. Juli 2012

Der Release der neuen Windows Version steht höchstwahrscheinlich schon diesen Herbst an. Auf der offiziellen Homepage kann man schon seit einiger Zeit den offiziellen Release Candidate herunterladen um das wichtigste Produkt des Softwareriesen auf Herz und Nieren zu testen. Tatsächlich sind schon fast alle Funktionen enthalten, das Betriebssystem läuft bereits jetzt äußerst rund.

Für Microsoft ist Windows 8 sicherlich einer der riskantesten Schritte der bisherigen Unternehmensgeschichte, schließlich krempelt man mit der neu entwickelten Metro Oberfläche einiges um. Weg vom Desktop, hin zur Kachel-Optik. Man bewegt sich eindeutig in Richtung Tablet PCs und Smartphones. Doch ist man damit auf dem richtigen Weg? Nach den ersten Tests zweifeln das Viele an. Windows 8 vergesse auf seinen bisherigen Hauptkundenstamm, den PC Nutzer. Das verspielte Design und das Streichen des Startbuttons stößt Vielen sauer auf. Mit dem Weglassen zuvor essentieller Features vergraule man seine treuesten Anhänger.

Doch ich meine, dass das so nicht stimmt. Klar, Windows 8 verändert einiges. Doch das heißt nicht unbedingt, dass das schlecht ist. Meiner Meinung nach macht Microsoft mit den neuen Ideen sehr vieles richtig. Der Konzern um Steve Ballmer hat erkannt, dass die Zukunft in der perfekten Integration der verschiedenen Geräten liegt. Durch das neue Betriebssystem verfolgt man genau dieses Ziel: Kompatibilität zwischen PC, Notebook und Tablet. Mit dem kürzlich vorgestellten Windows Phone 8 soll dann die Zusammenarbeit mit dem Smartphone ebenfalls besser funktionieren. Man setzt auf ein – im Kern – gleiches Betriebssystem, um das digitale Erlebnis des Nutzers auf den verschiedenen Ebenen zusammenfließen zu lassen. Bei Bedarf kann man eine auf dem einen Gerät angefangene Arbeit problemlos auf einem anderen fortführen. Das war so bisher nur mit Hilfe von Software durch Drittanbieter möglich. Auch wenn Windows 8 diesen Gedanken sicherlich nicht perfektioniert hat, ist es doch ein erster richtiger Schritt.

Microsoft hat auch erkannt, dass ein Kunde durch die Fülle der angebotenen Inhalte im Internet eine immer begrenztere Zeit zur Verfügung hat hat. Effizienz ist Gold wert. Und genau das will die Metro Oberfläche bieten. Statt wie bisher über den Startknopf jedes einzelne Programme einzeln anzunavigieren gibt die neue Variante einen Überblick über alle wichtigen Informationen. Ein Beispiel: Max Mustermann kommt gerade aus seinem zwei-wöchigen Urlaub zurück. Er hat sich dazu entschieden, in dieser Zeit kein Internet zu nutzen. Nach der Rückkehr musste er sich bisher mühevoll durch jedes unzählige Programme durcharbeiten. Mit der neuen Metro Oberfläche geht das schneller: Es bietet eine anpassbare und stark erweiterbare Übersicht über Mails, Nachrichten, Aktien, Social Networks, etc. Man hat all diese Programme auf einen Blick parat und spart sich dadurch Zeit. Die Nutzung ist also effizienter geworden, auch für den scheinbar vergessenen PC Nutzer.

Sicher, es gibt einige Punkte die nicht dem Ideal entsprechen. Microsoft muss noch an sehr vielen Ecken und Kanten Hand anlegen, damit der neue Auftritt zu dem Erfolg wird, den man sich erhofft. Doch kein einziger anderer Hersteller, auch nicht die Herren und Damen aus Cupertino, hat die Wichtigkeit von Integration und Effizienz ähnlich gut verstanden wie Microsoft.

Über Anonymität im Netz und im echten Leben

7. Juli 2012

Anonymität spielt im Internet eine große Rolle. Der Umstand, dass Aktionen und Aussagen nie auf Dauer mit der eigenen Person verbunden werden hat einen starken Einfluss auf Umgangsformen und die Art und Weise, wie man sich präsentiert. Schließlich ist der durchschnittliche Surfer im Netz ein Unbekannter, kann sich – mit wenigen Außnahmen – jederzeit ungestraft zurückziehen.

Seit dem rasanten Aufstieg von Facebook ist das anders. Man hat nun ein eigenes Profil, ist vorrangig mit Leuten des realen sozialen Umfeldes verbunden. Seither schlägt die Diskussion, wieviel man denn nun von sich selbst im World Wide Web preisgeben soll, riesige Wellen. So kritisch sich Experten über die unbekümmerte Vergabe privater Daten auch äußern, es gibt Genügend die die ganze Welt an jedem noch so kleinen Detail ihres Lebens teilhaben lassen.

Vielfach kritisiert wird auch der Suchmaschinenriese Google. Er sammelt Daten von seinen Nutzern und versieht sie jeweils mit Profilen um personalisierte, zu den jeweiligen Interessen passende Werbung platzieren zu können. So steigert man den Wert der verkauften Werbeflächen, da es für den Werbenden wahrscheinlicher wird, tatsächliche Interessenten anzusprechen.

British Airways erweitert diese Debatte nun um einen weiteren Aspekt: Ist es ethisch vertretbar, den Fußabdruck eines Internet-Nutzers zu verwenden um ihm in der realen Welt ein personalisiertes Erlebnis bieten zu können? Konkreter: Darf eine Fluggesellschaft mit Hilfe des Internets eine Datenbank erstellen, die Bilder eines Fluggastes mit Namen versieht, um ihn künftig persönlich ansprechen zu können? Geht es nicht zu weit, seine Kunden im Sinne der „Kundenfreundlichkeit“ über Facebook und anderen Social Networks auszuspionieren? Ich kann mir vorstellen, dass eine solche Maßnahme Einigen sauer aufstoßen würde. Big Brother lässt grüßen.

Tatsächlich ist die Umsetzung dieses Projektes, das auf den Namen „Know Me“ hört, schon für dieses Jahr geplant. Laut dem britischen Nachrichtendienst Daily Mail sollen bis Ende des Jahres bereits 4,500 Passagiere pro Tag mit Namen begrüßt werden.

Multikulturelles Österreich

26. Februar 2012

In Österreich gibt es ein Problem, dass wie kaum ein anderes im Zentrum des öffentlichen Interesses steht: Die Immigranten. Vom ruralen Stammtisch zur Spitzenpolitik scheiden sich die Geister, Toleranz scheint für viele ein Fremdwort zu sein. In der Gesellschaft herrschen gefährliche Gemeinplätze gegenüber Einwanderern, Xenophobie ist weit verbreitet. Mit Ihnen werden illegale Drogengeschäfte, Armut und Gewaltbereitschaft in Verbindung gebracht. Manches davon mag durch Fälle, die in den Medien im großen Stil thematisiert wurden, bestätigt werden. Doch wer sich mit der Thematik näher beschäftigt merkt schnell, dass es sich dabei um Einzelfälle handelt, die Regel-bestätigende Ausnahme.

Wie soll man dann mit diesem Problem umgehen? Geht etwa eine rechts-orientierte Partei mit Ihren Hassparolen – etwa „Daham statt Islam“ – den richtigen Weg? Sollen die Tore verbarrikadiert werden? Wohl kaum. Nicht nur aus makroökonomischer Sicht wäre es ein folgenschwerer Fehltritt, den günstigen Arbeitskräften aus dem Osten den Eintritt in unseren Arbeitsmarkt zu verwehren. Auch ethisch und moralphilosophisch ist ein solcher Standpunkt mehr rück- als fortschrittlich.

Die rasant wachsende Beliebtheit der nationalistisch veranlagten FPÖ zeugt allerdings davon, dass den Österreichern und Österreicherinnen diese Angelegenheit sehr am Herzen liegt. Deshalb müssen sich endlich auch die anderen Parteien einen festen Standpunkt in dieser heiklen Frage einfallen lassen. Offensichtlich reicht der halbgare Umgang mit dieser Frage, wie er zurzeit praktiziert wird, kaum aus. Alternative Lösungen müssen her.

Vielleicht liegt die Lösung des Problems in der Mentalität und dem Selbstverständnis der Bürger. Vielleicht kann man diesbezüglich etwas von Anderen lernen, beispielsweise den Amerikanern. Österreich ist, schon allein wegen seiner zentralen Lage als „Herz“ Europas, prädestiniert, ein Immigrantenland zu sein. Der Weg in den Westen führt für Südosteuropäer unweigerlich durch Österreich. Genauso war auch New York immer schon ein Tor in eine andere Welt, was sich in der Identität der Metropole wiederspiegelt. Man versteht sich als „Melting Pot“, ein Ort, an dem tausende Menschen aus aller Herren Länder zusammenfinden und gemeinsam Leben.

Vielleicht sollten auch wir unser Selbstverständnis in eine ähnliche Richtung verschieben, uns selbst als „Melting Pot“ Europas verstehen lernen. Ganz nach dem Motto „Mut zur Diversifikation“. Man wäre offener für Neues, Integration würde auch im alltäglichen Leben leichter fallen. Man wäre vielleicht sogar ein wenig Stolz auf die kulturelle Vielfalt sein. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Imaginations I

24. Februar 2012

So easy to fly like an eagle.
So easy to fall without a ground to hit.
So easy to live forever.
So easy to dream when I’m asleep.